Cyriis wrote:Moin moin,
snip out bla and blubb
... verspüre gegenüber Gentoo eine besondere Anziehung aufgrund der Rolling-Release-Politik. Damals unschön einmal ein Ubuntu-System beim Versions-Update verloren... klasse. Außerdem finde ich, dass bei Ubuntu & Co. man viel zu wenig vom System selbst mitbekommt - von der Technik darunter.
Doch auf der anderen Seite verspüre ich bei Linux, und hier auch sehr bei Gentoo, eine gewisse Abneigung: Es ist kompliziert, anstrengend, Masochismus sollte definitiv zu den Charaktereigenschaften des Users gehören - finde ich. Und daher frage ich mich nun: Ist das System wirklich etwas für mich? Ich habe eine 60 Stunden-Woche, also wenig Zeit mich stundenlang in Foren zu quälen...
Wenn ich Hardware habe, dann möchte ich, dass sie funktioniert. Ohne das ich 2 Wochen arbeiten/suchen/probieren muss, um dann am Ende nur ein 60% Ergebnis als bestes Ergebnis akzeptieren zu müssen. Weil für alles andere fehlt mir leider die Zeit.
... da kam mir das Gefühl wieder hoch, dass wenn ich Gentoo verwende, ich wieder bis zu den Schultern im Dreck wühlen darf damit am Ende alles irgendwie funktioniert.
... Ich hätte gerne ein Linux-OS, wo ich etwas lernen kann (daher kein Ubuntu & Co.), jedoch möchte ich auch nicht das Gefühl haben von Problemen nur erschlagen zu werden. Dafür fehlt mir auf Dauer leider einfach die Zeit und ich möchte auch nicht, dass ein falscher Handgriff mir direkt alles zerlegt.
Ich bin also reichlich unentschlossen und suche mit diesem Post irgendwo nach Meinungen und Empfehlungen in den tiefen Weiten des Gentoo-Universiums

Hi Cyriis,
Wissbegierde war und ist eine der großen Triebfedern der Menschheit. Erst mittels diesem Wissen war/ist es dann möglich Dinge zu erfinden/realisieren, die für Bequemlichkeit und Komfort sorgen, der einem selbst sowie auch anderen dient. Nutzen dagegen Andere diese komfortablen Erfindungen, so erlangen sie dadurch nicht das zugrunde liegende Wissen.
Ich kann zwar deine Zerrissenheit einerseits verstehen, denn schließlich wollen wir doch alle die Eierlegende Wollmilchsau. Doch letztlich wissen wir auch das es diese nicht gibt und das Leben aus Kompromissen besteht.
Daher wirst Du dich eben entscheiden müssen, was Dir von deinen Anforderungen wichtiger ist, mehr über dein System zu lernen oder mit just a click ein möglichst benutzbares System zu erhalten, ohne zu wissen was vor sich geht.
Sollte dein Wissensdrang den bequemen Schweinehund in Dir besiegen, so empfehle ich Dir folgendes, 60 Stunden-Woche hin oder her. Wozu hat den der Tag 24 Stunden und wenn diese nicht reichen nimmst Du halt die Nacht noch dazu.

Außerdem gibt's ja noch die Wochenenden und das zeitaufwendige Compiling kann durchaus auch unbeobachtet ablaufen.
- LFS ist zwar sehr geeignet um noch mehr über Linux zu erfahren, nach dem Selbststudium hat LFS dann jedoch schnell ausgedient. Ein damit erstelltes System zu erweitern, umzubauen oder aktuell zu halten, möchte kaum jemand auf sich nehmen, da es zu zeitintensiv und unkomfortabel ist. Gemessen an LFS ist der Umfang des Selbststudiums für Gentoo noch vergleichsweise gering. Es ermöglicht Dank der systematischen Dokumentation relativ schnell Erfolge.
So gelangt man vergleichsweise schnell zu seinem persönlichen Wunschsystem. Man kann quasi im laufenden Betrieb seine Kenntnisse bei Bedarf weiter vertiefen und darauf aufbauen.
Durch das Rolling Release System kann man sein System stets aktuell halten, ohne jemals wieder neu installieren zu müssen.
- Gentoo bietet also den besten Kompromiss zwischen Komfort und Kontrolle aller Aspekte eines Linux-Systems und bringt dem User didaktisch geschickt diese Wissen näher. Natürlich kostet Dich das Zeit, denn im Leben ist nichts umsonst, aber wie soll es denn anders funktionieren. Download von Wissen direkt in den Schädel, wie in der Matrix, funktioniert ja im wirklich wahren Leben nicht.
Damit bist Du dann erstmalig selbst in der Lage, 100% deiner Hardwarefunktionalität zu erschließen, sofern das Treiber bedingt zu diesem Zeitpunkt unter Linux überhaupt möglich ist. Jedenfalls scheitert es dann nicht mehr an der Unzulänglichkeit Anderer oder deren vorkonfigurierter Distros, höchstens an deiner Eigenen.
Angst davor etwas kaputt zu machen, um danach vor einem großen Scherbenhaufen zu stehen der sich nur durch eine Neuinstallation reparieren lässt, brauchst Du aber nicht zu haben.
Schließlich lernst Du durch die Installation und Nutzung von Gentoo, genau das gezielt wiederherzustellen oder jederzeit nach deinen Wünschen oder neuen Anforderungen umzudefinieren.
In der Regel installieren die meisten Gentoo-User pro System höchstens* einmal und dann nie wieder. (* höchsten, da ich z.B. gerne meine Systeme kopiere bei identischer Architektur und dann dort auf die Zielhardware anpasse)
Bis Du aber soweit bist musst Du Zeit und Geduld investieren.
Musst Du während dessen auf dieser Maschine arbeitsfähig bleiben, empfehle ich das parallel zu einem darauf lauffähigen System zu realisieren, immer wenn es deine Zeit erlaubt.
Siegt dagegen der Schweinehund, machst Du einfach weiter wie bisher, mit all den gefühlten und bereits von Dir genannten Nachteilen.
Bleibt mir also nur noch zu wünschen, dass Du die richtige Entscheidung für dich triffst.
In diesem Sinn alles Gute,
Andy.
P.S. Auch ich war ein rastloser Distro-Hopper, bis ich nach über 30 verschiedener Distros endlich wusste, wonach ich die ganze Zeit gesucht hatte.
